Wertvolle Informationen zum Coronavirus für Unternehmer und Arbeitgeber

Liebe Mandanten und Geschäftspartner,

die Verbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen und Konsequenzen stellen uns alle vor neue Herausforderungen und bisher ungelösten Fragen. Nachstehend möchten wir Ihnen fokussiert einige Informationen zum Umgang mit dem Corona – Virus in Bezug auf die Themen „Steuern“ und „Arbeit“ geben:

1. Einhaltung von Fristen:

Nach aktuellem Stand wird eine Verlängerung von Abgabefristen für Steuererklärungen von der Finanzverwaltung noch geprüft. Ein Ergebnis steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Daher bitten wir Sie, Ihre Buchführungsunterlagen wie gewohnt spätestens bis zum 25. Tag des Folgemonats einzureichen. Falls die persönliche Abgabe oder der Postweg nicht möglich sind, sprechen Sie uns bitte auf die digitale Einreichung Ihrer Unterlagen an.

2. Lohnfortzahlung und Kurzarbeit:

Grundsätzlich sind Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet, wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, auch, wenn die aktuellen Einschränkungen aufgrund des Virus eine Beschäftigung nicht oder nur eingeschränkt zulassen. Für diese Fälle haben Sie die Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen.

Die wichtigsten Punkte zur Kurzarbeit:

  • Anspruch haben nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Auszubildende, aber erst nach 6 Wochen Fortzahlung der Ausbildungsvergütung.
  • Kurzarbeit muss bei der Bundesagentur für Arbeit schriftlich beantragt werden, spätestens am letzten Tag des Monats in dem sie erstmals eingetreten ist.
  • Arbeitnehmer müssen über die Kurzarbeit informiert werden und es bedarf einer schriftlichen Einverständniserklärung über die Einführung von Kurzarbeitergeld (KUG) und der Unterschrift aller betroffenen Arbeitnehmer. Diese Erklärung muss mit dem Erstantrag auf KUG bei der Bundesagentur für Arbeit eingereicht werden.
  • Innerhalb von 3 Monaten des jeweiligen Abrechnungsmonats muss der Erstattungsantrag der Bundesagentur für Arbeit vorliegen, ansonsten erlischt er.
  • Die Höhe des KUG liegt bei Arbeitnehmern mit einem Kind bei ca. 67% des pauschalierten Nettolohnes und bei Arbeitnehmer ohne Kind bei ca. 60%.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge für das KUG werden vom Arbeitgeber getragen und durch die Bundesagentur für Arbeit erstattet.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Kurzarbeit einführen müssen, rufen Sie uns bitte kurzfristig an, wir erstellen für Sie die zwingend notwendige Erstanzeige (Frist 31.03.2020 für den Erstmonat März) bei der Agentur für Arbeit und im Zuge der monatlichen Lohnabrechnungen die Erstattungsanträge.

Detaillierte Informationen, Formulare und Merkblätter finden Sie auf der Internet-Seite der Agentur für Arbeit unter https://www.arbeitsagentur.de/news/kurzarbeit-wegen-corona-virus.

Die monatlichen Lohnabrechnungen sind auch zu Zeiten des Corona – Virus pünktlich zu erstellen. Die Unmengen an Anträgen zum Kurzarbeitergeld können die Mitarbeiter der Lohnabteilung nur mit Überstunden und Mehrarbeit bewerkstelligen. Für den Antrag müssen wir Ihnen deshalb wie gewohnt im Rahmen der monatlichen Lohnabrechnung 15,08 € berechnen.

Gerne unterstützen wir Sie bei allen Fragen rund um die Lohnabrechnung. Wir bitten aber um Ihr Verständnis, dass wir als Steuerberatungsgesellschaft juristische Beratung im Arbeitsrecht nicht leisten können und das auch nicht dürfen. Daher müssen wir Sie bei komplizierten arbeitsrechtlichen Fragen, beispielsweise in Bezug auf den Anspruch auf Lohnfortzahlung im Falle von Arbeitsausfall wegen fehlender Kinderbetreuung, an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht verweisen.

Wo es möglich ist, empfehlen wir eine einvernehmliche Lösung mit Ihren Arbeitnehmern zu finden, beispielsweise mit der Gewährung von Urlaub, Abbau von Überstunden, flexiblen Arbeitszeiten, Home Office oder unbezahlter Freistellung.

3. Steuerpolitische Entlastungen:

Fällige Steuerzahlungen werden auf Antrag zinsfrei gestundet und von Vollstreckungsmaßnahmen wird bis zum 31.12.2020 abgesehen, wenn und solange die Zahlung der Steuern aufgrund der Auswirkungen der Corona – Krise nicht oder nicht vollständig fristgerecht geleistet werden kann.

Wir werden bei den zukünftig eingehenden Steuerbescheiden und den einzureichenden Steuererklärungen jeweils diese Möglichkeiten für Sie überprüfen und mit Ihnen im Dialog die weitere Vorgehensweise abstimmen.

Um Ihr Unternehmen zusätzlich zu entlasten, werden wir auf Wunsch auch für Ihre laufende Umsatzsteuer – Zahllast, sowie die Lohnsteuer und auch die Krankenkassenbeiträge einen Stundungsantrag stellen und die Vollstreckungsaussetzung beantragen.

Auch die bereits im Februar geleistete Umsatzsteuersondervorauszahlung 2020 für die Dauerfristverlängerung wird auf Antrag, unter Beibehaltung der Fristverlängerung, vom Finanzamt erstattet.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es sich bei den Erstattungs- & Stundungsanträgen um eine Verschiebung der Zahlungsfrist handelt, die Steuerzahlungen aber in jedem Fall und in der gleichen Höhe zu einem späteren Zeitpunkt zu erfolgen hat. Bitte bedenken Sie daher für Ihre Liquiditätsplanung, dass es durch diese Anträge zum Jahresende zu einer hohen Zahllast kommen kann.

Die Herabsetzung der bislang festgesetzten vierteljährlichen Vorauszahlungen für die Besteuerung des Jahresergebnisses 2020 kann ebenfalls vereinfacht und schneller umgesetzt werden. In besonderen Fälle erfolgt die Anpassung dieser Vorauszahlungen auch rückwirkend bereits für das erste Quartal 2020 und die hierfür bereits geleistete Zahlungen werden erstattet.

4. Entschädigungsleistungen für Arbeitnehmer und Selbstständige:

Bei den zuständigen Landschaftsverbänden kann und sollte ein Antrag auf Verdienstausfall, der sich aufgrund einer durch die zuständige Behörde angeordneten Quarantäne ergibt, gestellt werden.

Der Antrag ist vom Arbeitgeber/Unternehmer schriftlich innerhalb von drei Monaten nach Ende der Quarantäne beim zuständigen Landschaftsverband zu stellen.

Gerne lassen wir Ihnen hierzu die notwendigen Unterlagen (Bescheinigungen, Betriebswirtschaftliche Auswertungen etc.) zukommen.

Antrag für Arbeitnehmer: https://www.lwl-soziales-entschaedigungsrecht.de/media/filer_public/ab/b7/abb7989b-90c2-4ab6-98e5-7a09cc60a062/antrag-mit_erkl-und-erlaeut_56_u_57.pdf

Antrag für Selbständige/Freiberufler: https://www.lwl.org/lwl-versorgungsamt-download/Antraege_und_downloads/Antraege_SER/IFSG%20-%20Antrag%20Selbstaendige.pdf

Weitere Informationen:

5. Versorgung mit Liquidität

Die Bundesregierung hat entschieden, Sie als Unternehmer mit kurzfristiger Versorgung von Liquidität, in Form von verbesserten Konditionen für Kredite, zu unterstützen.

Auf Antrag übernimmt die KFW einen Großteil des Ausfallrisikos der Hausbanken. Damit steigt die Bereitschaft der Banken, die Förderkredite zu gewähren. Sprechen Sie hierzu mit Ihrer Bank, die dann auch den entsprechenden KfW-Antrag stellen wird. Auch hier unterstützen wir Sie gerne mit der Zusammenstellung der hierfür notwendigen Unternehmenszahlen.

Detaillierte Informationen, Formulare und Merkblätter finden Sie auf der Internet-Seite der KFW unter https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html.

Bitte nehmen Sie sich trotz der angespannten Situation die Zeit, die Finanzierungsmöglichkeiten zu vergleichen. Bedenken Sie dabei auch, dass ein Dispokredit wahrscheinlich am schnellsten und unkompliziertesten gewährt werden kann, aber mit bis zu 14% Zinsen besonders kostspielig ist. Zum Vergleich erhalten Sie einen normalen Ratenkredit beispielsweise in Höhe von 10.000 € für unter 2% Zinsen.

Folgende Handlungsempfehlungen möchten wir Ihnen außerdem geben:

  1. Planen Sie Ihre Liquidität für die nächsten Wochen und sprechen Sie mit Ihren Geschäftspartner über die Optionen einer Stundung und Ratenzahlungsmöglichkeiten.
  2. Für die verschiedenen zu stellenden Anträge wird eine aussagekräftige Dezember-BWA erforderlich sein. Es bietet sich daher an, die aktuelle Situation zu nutzen und die noch zu klärenden Posten aus 2019 zu bearbeiten.
  3. Sprechen Sie uns auf die Möglichkeit des digitalen Belegaustausches an – so können wir für Sie weiterarbeiten, ohne dass Sie das Haus verlassen müssen.

Wie in vielen Betrieben ist der Arbeitsalltag in unserer Kanzlei aktuell ausschließlich durch Sonderarbeiten aufgrund des Corona – Virus bestimmt, dennoch sind auch in dieser Zeit die monatlichen wiederkehrenden Lohnabrechnungen und Umsatzsteuervoranmeldungen zu erstellen. Wir tunen, was uns möglich ist und werden die Fristen wahren, bitten aber auch um Verständnis für zeitliche Verzögerungen.

Abschließend unser Beitrag zur Solidarität in dieser Krisenzeit:

Die Erstanträge auf Steuerstundung, Aussetzung der Vollziehung, Vollstreckungsaufschub, Anträge auf Herabsetzung und Anpassung von Steuervorauszahlung sowie das Ausstellen von Bescheinigungen und Auswertungen, die sie zusätzlich benötigten, erledigen wir für Sie honorarfrei.

Wir hoffen Ihnen, mit diesen Informationen eine erste Orientierung geben zu können. Sollten Sie weitere Informationen zu den einzelnen Punkten benötigen, nutzen Sie gerne den Dialog mit uns.

Bleiben Sie gesund!
Ihr dialog – Team